Am 4. Jänner 2004 feiert der Künstler seinen
75. Geburtstag, heute lebt und arbeitet Arik Brauer in Wien und Israel.
Die umfangreiche Werkschau mit 150 Exponaten wurde von Brauer in 9
Themenbereiche gegliedert: Blumen und Bäume, Krieg und Frieden,
Bibel und Lozelach, Alles Winter, Die Zauberflöte, Die bunte
Bande, Schachmatt, Musenküsse, Gewissensbisse. Zu sehen sind
neben Gemälden erstmals auch Skulpturen Arik Brauers.
Arik Brauer wurde 1929 als Sohn eines eingewanderten Handwerkers
in Wien geboren. Die Naziherrschaft setzte seiner unbeschwerten
Kindheit im Wiener Arbeiterbezirk Ottakring ein jähes Ende,
er wird verfolgt und überlebt als U-Boot in einem Versteck.
Ab 1945 studiert Brauer an der Akademie der bildenden Künste
in Wien u.a. bei Albert Paris Gütersloh, er wird, gemeinsam
mit seinen Akademiefreunden, zum "Gründer" der Wiener
Schule des Phantastischen Realismus. Er unternimmt ausgedehnte Reisen
durch Europa und den Orient - meist mit dem Fahrrad, lebt in Paris
und tritt als Volksliedsänger auf, 1957 hat er hier seinen
Durchbruch als Maler. Er heiratet in Israel seine Frau Neomi. 1967
entsteht die erste Schallplatte, durch seine Protestlieder im Wiener
Dialekt, durch Fernsehproduktionen, Bühnenbilder, Gebäudegestaltungen
aber vor allem durch ungezählte internationale Ausstellungen
wird Brauer in aller Welt bekannt.
Themen:
Blumen und Bäume
„Die Malerei ist eine Erfindung der Blumen. Man macht sich
bunt und die Insekten kommen....
Man malt ein buntes Bild und Menschen kommen, um es zu sehen. Pflanzen
sind die Grundlage unserer Existenz. Dementsprechend groß
ist der Raum, den sie in unserer Phantasie einnehmen. Ornamente
basieren stets auf pflanzlichen Formen, die gesamte Architektur
bis zur Moderne war nach pflanzlichen Prinzipien gegliedert.“
Krieg und Frieden
„Ich habe in meinem Leben 5 Kriege gesehen, ich weiß,
was das bedeutet. Alle Menschen wollen Frieden und doch müsste
wohl ein Engel erscheinen, um uns diesen mit Gewalt einzutreiben.
Friede ist – im Grunde genommen – ein für uns unnatürlicher
Zustand, denn er setzt voraus, dass niemand da ist, der eine Veränderung
seiner Situation erzwingen will. Wenn unser Selbstbewusstsein und
Selbstverständnis nicht auf Macht und Besitz, sondern auf Fähigkeiten
beruhen wird, dann werden wir lernen anstatt zu kämpfen.“
Bibel und Lozelach
„Juden sind auch als Atheisten in gewissem Sinne religiös.
Ich bin dafür ein gutes Beispiel. Die wesentlichen Aussagen
der Bibel kann ich nicht glauben, aber mich fasziniert die Gewalt
der hebräischen Sprache, die Poesie der Schilderungen und Vergleiche,
der phantastische Realismus in der Balance zwischen Historie und
Erfindung.
'Jiddischkeit' ist ein Seitenzweig meines kulturellen Erbes aber
je älter ich werde, umso mehr erinnere ich mich an Sprüche,
Lieder und Lozelach.“
Alles Winter
Wer mit von der Partie ist, darf mitspielen. Um die Langeweile zu
überwinden, muss aber immer neueres, bunteres Spielzeug her.
Wer ausgestoßen ist, steht im Schnee und träumt von der
Insel der Seligen.
Die Zauberflöte
„Musik ist die Zauberflöte der Menschheit. Sie ist imstande,
unsere Ungeheuer zum Tanzen zu bringen. Leider sind die ‘Bösen‘
dieser Welt oft so unmusikalisch, dass es nicht immer wirkt. Mozart
wusste, wie es geht, und ich habe mein ganzes Leben nach seiner
Flöte getanzt.“
Die bunte Bande
„Lasst uns leben und kämpfen in der beglückenden
Illusion mächtige Herren der Welt und unserer selbst zu sein.
Zuletzt sind wir alle Gartenzwerge, hilflos ausgeliefert unseren
Veranlagungen und Schicksalen."
Schachmatt
„Schach ist ein grausames Spiel, denn es widerspiegelt die
menschliche Gesellschaft. Täuschung und Intrige versprechen
Erfolg, Bauern werden geopfert, ein fast lahmer König wird
mit Zähnen und Krallen verteidigt. Wenn es stimmt, dass der
Existenzkampf die Intelligenz aller Wesen entwickelt und der Krieg
der Vater aller Dinge ist, so ist Schach dafür ein gutes Beispiel.
Schachmatt (Der Scheich ist tot).“
Musenküsse
"Und wieder, wie schon so oft, sitzt Mephisto mit dem Alten
bei einem Glas Nektar und wieder beginnt der Alte zu sticheln: ‘He
Spitzbart! Faust hin, Faust her, die Kunst ist ewig! Ich habe dem
Menschen Begabungen in die Wiege gelegt, die nur durch bestimmte
Tätigkeiten entfaltet werden können. Wer dichten kann,
muss dichten, wer singen kann, muss singen, wer zur Malerei berufen
ist, muss malen, so lange es die Menschheit gibt!‘ ‘Die
Wette gilt!‘ zischt darauf der Teufel, ‘zeig mir dein
Genie und ich bring' ihn ab von seiner Kunst, ehe der Hahn kräht!‘"..........
Gewissensbisse
„Jede Generation begeht ihre Sünden und lebt mit ihren
Gewissensbissen. Meine Generation begeht vielleicht das größte
Verbrechen aller Zeiten: Die Beschädigung der Welt. Massakrierte
Völker können gesunden, zerstörte Korallenriffe verschwinden
für immer. Schuld sind ich und Du. Um zu retten, was zu retten
ist, müssten wir über unseren eigenen Schatten springen.
Wenn es um ‘Umdenken‘ und ‘Umfühlen‘
geht, haben die Künstler eine Aufgabe zu erfüllen.“
„In meiner Malerei gibt es keinen wirklich totalen
Bruch mit der sogenannten Wirklichkeit. Ich bringe meine Phantasiewelt
über Schleichwege ein, aber frei erfundene Gebilde behalten
einen wahren Realitätsanspruch. Sie könnten existieren
oder sie werden vielleicht einmal existieren.....“
Arik Brauer
Es erscheint ein Katalog, erhältlich im KunstHausWien MuseumShop
Pressekonferenz: Mittwoch, 10. September 2003 – 10.30 Uhr
Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 10. September 2003 –
19.00 Uhr
Für weiteres Informations- und Photomaterial kontaktieren
Sie bitte:
Sabine Schmeller, Verena Schrom
KunstHausWien Pressestelle:
Tel. 0043/1/712 04 95-14,
Fax 0043/1/712 04 96
e-mail: sabine.schmeller@kunsthauswien.com, verena.schrom@kunsthauswien.com