
Erotische Damenmode,
1994
© Manfred Deix, 2000
Der Papst übt
den Bodenkuss, 1984
© Manfred Deix, 2000
Neue Banknoten,
1984
© Manfred Deix, 2000

Vorbild Arnie,
1986
© Manfred Deix, 2000

Der Ausserirdische, 1995
© Manfred Deix, 2000

Lugner for President, 1998
© Manfred Deix, 2000

Jogger Clinton, 1996
© Manfred Deix, 2000

Manfred &
Marietta Deix, 2000
© KunstHausWien, 2000
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MANFRED DEIX
GOOD VIBRATIONS
EINE RETROSPEKTIVE
25. Mai bis 5. November 2000
Wir freuen uns, im KunstHausWien eine Ausstellung ganz besonderer
Art
präsentieren zu können: Das Werk des österreichischen
Karikaturisten und
Satirikers Manfred Deix in einer Übersicht der letzten 45 Jahre.
Die
Ausstellung wurde konzipiert und zusammengestellt von Manfred Deix
in
Zusammenarbeit mit dem KunstHausWien.
Gezeigt werden ca. 300 Originalwerke, weiters Skulpturen,Videoinstallationen
und Dokumentationen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher
Sprache.
Manfred Deix ist ein unerbittlich Begnadeter. Treffsicher wie ein
Scharfschütze. Unbequem für eine verlogene Welt. Inmitten
einer Welt,
wie wir sie nicht wollen. Einer, den unsere Zeit nötig hat wie
kaum
etwas anderes. Mag sein, daß er es manchmal an Deutlichkeit
des
caricare nicht missen lässen. Nicht immer sanfte
Kost für
Zartbesaitete uns vorsetzt. Ist aber nicht gerade das seine Aufgabe?
Deix ist ein Alleskönner, ein verblüffender Tausendsassa,
dem Dinge mit
dem Pinsel gelingen, die man kaum für möglich hält.
Das aber ist es
nicht. Dahinter steht ein verletzlicher, ein mitleidender Mensch,
der
ohne es selbst plump herauszupredigen, an die bessere Welt glaubt;
an
eine, in der es zu leben lohnen würde. Immer wieder geht es einem
vor
seinen Bildern so, daß man perplex ist, spontan erst einmal
hellauf
lachen muß. Wie getroffen ist doch der oder die, wie köstlich!
Doch das
vergeht einem schleunigst, wenn sich ganz rasch danach einem die Kehle
zuzuschnüren beginnt, der Gedanke, das Dahinter nicht mehr losläßt.
Und
man dann aus dem eigenen Inneren es aufsteigen spürt: recht hat
er,
natürlich, so ist es, genau so.
Dieses caricare, was im Italienischen wörtlich übertreiben,
überladen bedeutet, gräbt sich mit seiner bildmäßigen
Faszination
geradezu in uns hinein. So spricht die fachliche Definition der
Karikatur von einer Darstellung, in welcher der Gegenstand unverkennbar
getroffen ist, einzelne Merkmale aber in Übertreibung hervortreten....
Genau damit ist so ein Bild in besonderer Weise befähigt, Augen
zu
öffnen.
Manfred Deix wurde 1949 als zweites Kind seiner Eltern Johanna und
Franz
Deix im nieder-österreichischen St. Pölten geboren. Vater
Angestellter,
Mutter Hausfrau - beginnt Deix selbst in einer bemerkenswerten
autobiographischen Aufzeichnung, deren geradezu köstliche Originalität
im folgenden zum Großteil wörtlich nachvollzogen wird:
Vater seit 1941 wegen Weltkrieg II einarmig, schreibt
er. Linker Arm
weg. Ergo bin ich als Zweijähriger erstaunt, daß andere
Väter einen Arm
zuviel haben. Man erzählt ihm später, daß er
schon ab dem dritten
Lebensjahr jedes erreichbare Papiersackl vollgezeichnet habe. Zwei
lesbische Wohnungsnachbarinnen kümmern sich bestens um mich (Tante
Steffi, Tante Gusti). Mit 6 Jahren Übersiedlung ins eigene Haus
(St.
Pölten - Eisberg, Kleiststraße 24). Zwei gleichaltrige
Töchter von
Nachbarsfamilien geben Gelegenheit zu ersten Studien. Er bezeichnet
solche heute als Gratisgesundenuntersuchungen, somit der Zeit
schon
weit voraus, so daß er sich seit 1955 - er ist Schüler
der Daniel-Gran
Volksschule - durch erste Verkäufe von Nackertzeichnungen
an die
aufgeweckteren Mitschüler
(Stückpreis 10-15 Groschen) frühe Erfolge verschaffen
kann. Er vermerkt
vermehrte Zeichentätigkeit als die Familie nach Böheimkirchen
übersiedelt, wo die Eltern das Gasthaus Zur blauen Weintraube
pachten.
Die installierte Musicbox (Little Richard, Chuck Berry, Fats Domino,
Elvis Presley), Fernsehapparat, Pianino, diese Göttergeräte
benütze ich
täglich und zeichne rund um die Uhr. Die Eltern beginnen
die
Berufsplanung des heranwachsenden Sohnes: Wirst Wirt oder
Fleichschhauer, verdienst einmal viel Geld. Doch nach einem
Jahr
Hauptschule setzt sich die Begabung auffällig durch, er übersiedelt
ins
Bundesrealgymnasium St. Pölten (1960). Als er sich an einem
Zeichenwettbewerb des ORF Kleine Zeichenkunde mit dem
Thema Der
Rattenfänger von Korneuburg beteiligt und ein Mörderbild
einschickt,
wird dieses disqualifiziert. Begründung: Wir wollen Zeichnungen
von
Kindern, aber nicht von Erwachsenen und Profis! Bumm. Frust. Mein
Religionsprofessor bietet mir 11jährigem daraufhin an, wöchentliche
Comic-Strips für die Niederösterreichische Kirchenzeitung
zu zeichnen.
Mache ich und werde ein regionaler Star und ein anerkanntes
zeichnerisches Wunderkind.
Er schreibt daneben Krimis, macht eigene Comic-Hefte, zeichnet sich
eigene (geheime) Daumenkinos (Thema Striptease), porträtiert
Stammgäste,
verkleidet sich als Frau und bringt alte Männer in Verlegenheit,
illustriert seine Schulhefte, zeichnet Tiere, schiache Leute,
kurzum
alles, was mich beeindruckt. Früh schon folgt er seiner
Zuneigung zu
Katzen, hat schon ständig drei bis vier um sich, dann lernt er
von einem
boxenden Metzgergesellen das Boxerhandwerk, trainiert und zeichnet
täglich.
Seine Berufspläne zu dieser Zeit als 14jähriger kreisen
darum, entweder
zeichnender Boxer oder boxender Zeichner zu werden. Dann wieder denkt
er
an eine Laufbahn als Frauenarzt. Doch auch erste Enttäuschungen
kommen.
Sehe mit 14 eine gewisse Marietta, werde schwer nervös,
buhle um sie,
gehe mit ihr spazieren, rauche dabei heftig, mache aber zu wenig
Eindruck. Sense.
Als er von der Graphischen in Wien erfährt, tritt
er 1965 dort ein, wo
er gemeinsam mit den Kollegen und Freunden Bernhard Paul und Gottfried
Helnwein, seine Studien beginnt. Die Großstadt bietet ihm das
Gefühl
großer Freiheit. Wir leben von Miniaufträgen und
schlagen uns irgendwie
durch (die lustigste Zeit unseres Lebens, Tränenlachen Tag und
Nacht).
Doch noch fehlt es an Ernst. Schulschwänzen, deshalb nach
zweieinhalb
Jahren Hinauswurf aus der Schule. 1968 Inskription an der Akademie
am
Schillerplatz und Aufflammen der Marietta-Amour.
Lebt nun in Wien, viel Hunger und viel Hetz mit Helnwein und
Marietta,
ab 1970 in einer Kleinstwohnung des III. Bezirks mit Marietta,
2
Katzen, dann 3, dann 4, 5, 6 etc. Jobs für Zeitungen (profil,
Trend
etc.), inskribiere 1975, um dem Militär zu entkommen, zeichne
für Neue
Freie Presse vom Nenning, allmählich kennt man bißl meinen
Namen.
Marietta verkauft am Flohmarkt und in der Operngasse tiefstdekolletiert
meine Zeichnungen sehr erfolgreich, während ich aus Sicherheitsabstand
eifersüchtig das Geschehen beobachte. Aufträge häufen
sich, Honorare
sind mickrig.
Doch dann sollte es so richtig losgehen. Er arbeitet für Stern
und
Spiegel, kann bald eine Wohnung in der Innenstadt beziehen, deren
Leben
er in vollen Zügen genießt: Stammgast in allen möglichen
Kaschemmen,
Stehweinfallen, saufe mit letztklassigen Tschecheranten Nächte
durch,
trotzdem lustige Zeit.
Sein Aufstieg ist nun steil. 1978 kann er zum ersten Mal die USA,
vor
allem Kalifornien bereisen. 1979 mietet er mit Marietta eine kleine
Villa im XIV. Bezirk, wo ihn bereits 98 (!) Katzen umgeben. Die Aufträge
werden immer spannender (pardon, Titanic etc.), was auch dazu beiträgt,
daß er nicht dazu kommt, seinem Wunsch zu folgen, auch große
Bilder zu
malen. Ausstellungen und Verkäufe florieren. Male nur Auftragsbilder
und Cartoons für Magazine in BRD und Österreich, 1984 mit
Marietta nach
New York und Las Vegas (Hochzeit), nach L.A., treffe zum ersten Mal
die
Beach Boys persönlich in Beverly Hills.
Er ist nun zu den erfolgreichsten Künstlern der gemalten Zeitkritik
geworden. Man wartet auf seinen wöchentlichen Kommentar, seine
Bildbände erreichen Phantasieauflagen, von Mal zu Mal sind seine
Einfälle, seine Darstellungen tatsächlich hinreißender.
Wie er lebt, schildert er selbst: Arbeite, zeichne, rauche,
saufe, 1988 Lungeninfarkt, Klinik, Übersiedlung nach Weidling,
1988 Nestroy-Ring, ab 1993 Werbeplakatserie für Casablanca-Tschick,
1995 Breakdown wegen Alk, ab November 95 Schluß mit lustig.
Brave Phase bis heute... Das war in groben Zügen ein loser unvollständiger
Lebenslauf.
Warum ich was zeichne notierte Deix: Weil ich von
Kindheit an nichts
lieber getan habe , als Leute zu beobachten, sie auszuspotten, sie
nachzuäffen, zu sekkieren und zu schrecken und mit dem adäquaten
Mittel
der Karikatur eine Art Heimzahlung für ihre Blödheiten betreiben
konnte. Und er schließt: ... aber ich weiß,
daß ich mich viel, viel
mehr bemühe, ein Lieber und Guter zu sein, mein Ehrenwort...
Billy Wilder schrieb: ... ich habe Deix niemals persönlich
kennengelernt, aber ich bin einer seiner größten Bewunderer.
Jedes Mal, wenn jenes österreichische Magazin erscheint, läuft
mir das Wasser im Mund zusammen... Deix macht weder faule Witze noch
einfältige Cartoons. Er kommentiert die condition humaine und
tut das auf eine ätzende Weise, wie es sie seit Karl Kraus nicht
mehr gegeben hat. Seine Themen sind diese ekelerregende Gemütlichkeit,
die vorgibt, es sei eh nix passiert, und die Arroganz, die verkündet,
den Walzer, den Guglhupf und den Handkuß habe man aus dem Ärmel
geschüttelt, und die Donau sei so blau wie eh und je... Keine
Sorge, Manfred Deix trifft als Scharfschütze so gut wie Wilhelm
Tell in seiner besten Zeit.
Deix Video Spot Klein
Deix Video Spot Groß
Benötigt
DIE AUSSTELLUNG WURDE UNTERSTÜTZT VON:
GEWISTA, AHA
PUTTNERBates, ÖBB,
ONE TELETICKET, DEMEL,
KURIER Freizeit-CLUB,
HILTON VIENNA, AUSTRIAN
AIRLINES, YUMYUM
COMMUNICATIONS
und
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