
Yvette Cauquil-Prince
Marc Chagall: Les Arlequins
© VBK Wien, 2000

Aubusson tapestry
Joan Mirò: Composition Verticale (L`Enrage)
Courtesy Jane Kahan Gallery,
New York

Aubusson tapestry
Maurice Esteve: Mondanatura
Courtesy Jane Kahan Gallery,
New York

Aubusson tapestry
Alexander Calder:
Le Profil Qui Desparait
Courtesy Jane Kahan Gallery,
New York
|
Meister des 20.Jahrhunderts
Masters of the 20th century
"TAPISSERIEN - TAPESTRIES"
Feiern Sie das neue Millennium im KunstHausWien mit
MIRO, PICASSO, CALDER, CHAGALL, CORNEILLE, DELAUNAY, ERNST, ESTEVE,
KANDINSKY, KLEE, LE CORBUSIER, LEGER, U.A.M.
10. Februar bis 14. Mai 2000
Wir zeigen über 50 Meisterwerke der Tapisserie von Werken der
bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts (Romare Bearden,
Alexander Calder, Marc Chagall, Corneille, Stuart Davis, Sonia Delaunay,
Max Ernst, Maurice Estève, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Le
Corbusier, Fernand Léger, Jean Lurçat, Roberto Matta,
Joan Miró, Pablo Picasso), erstmals zusammengestellt für
das KunstHausWien, kuratiert von Jacob Baal-Teshuva.
Diese Ausstellung ist eine Hommage an eine großartige Künstlerin,
die Meisterweberin Madame Yvette Cauquil-Prince. Zu sehen sind weiters
24 Aubusson-Tapisserien aus dem berühmten Atelier Pinton aus
der Sammlung Jane Kahan, New York. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog,
der im KunstHausWien MuseumShop erhältlich sein wird.
Madame Cauquil-Prince begann mit dem Weben von Tapisserien im Jahre
1959, in Zusammenarbeit mit dem CoBrA-Künstler Asger Jorn und
mit Pierre Wemaere; diese Zusammenarbeit dauerte bis 1961. Seit 1961
hat sie als Werkmeisterin für Alexander Calder, Emile Hecq, Xavier
Lalane, Roberto Matta, Jean Piaubert, Nicki de Saint-Phalle und Michel
Seuphor gearbeitet.
Seit 1967 hat sie Tapisserien der großen Künstler des
20. Jahrhunderts hergestellt, beispielsweise von Georges Braque, Alexander
Calder, Marc Chagall, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Roberto
Matta, Henry Miller und Pablo Picasso. Mit Marc Chagall verband sie
eine besondere Beziehung, die es ihr ermöglichte, monumentale
Tapisserien zu kreieren. Insgesamt hat sie etwa 80 Tapisserien hervorgebracht,
davon rund 25 für Marc Chagall, zehn für Max Ernst und sieben
für Fernand Léger. Zahlreiche Einzelausstellungen haben
ihre Werke in der ganzen Welt präsentiert, darüber hinaus
waren sie auch an vielen Gruppenausstellungen beteiligt. Ihre Tapisserien
sind im Picasso Museum in Antibes, im Textilmuseum Max Berk in Heidelberg,
in Sammlungen in Japan, in den Vereinigten Staaten und auch in anderen
Ländern zu finden.
Das Atelier Pinton in Felletin geht bis ins 16. Jahrhundert zurück;
in seiner gegenwärtigen Gestalt wurde es 1867 von Olivier Pinton
gegründet. Nach dessen Tode 1914 wurde Jean Pinton sein Nachfolger
und nach diesem Olivier Pinton und schließlich François
Pinton. Es war Jean Pinton, der seit den 50er Jahren für die
Herstellung der Originalwerke von Léger, Miró, Calder,
Delaunay und anderen verantwortlich zeichnete.
Die Tapisserie, jener Zweig der Textilweberei, der den Zweck hatt,
Bilder zur Ausschmückung der Häuser der Reichen und ganzer
gesellschaftlicher Gruppierungen sowie der öffentlichen Plätze
zu produzieren, gehört zu den ältesten Kunstgattungen überhaupt.
Sie geht auf Babylon, Persien, Ägypten und Indien sowieauf die
griechische Antike, wo sie die Wände des Parthenons schmückte,
und noch weiter zurück.
Die große Geschicklichkeit im Einsatz, unterschiedliche Techniken
der Herstellung und die Schönheit des Produkts machen die Tapisserie
zu einem integralen Bestandteil sowie zur Begleiterin der Geschichte
durch die Epochen und Kulturen zur Ausschmückung und Hebung der
Lebensqualität im öffentlichen und privaten Ambiente. Die
Weber dieser Tapisserien galten als große Künstler und
Erneuerer ihrer Epoche. Sie führten die Kunst des Künstlers
einen Schritt weiter: von Papier oder Leinwand zu dauerhaften Textilien
mit ihren reichen Farben, Texturen und neuen Techniken der Ausführung.
Tapisserien wurden zu für die Ewigkeit gewebten Bildern.
Die Tapisserien wurden nicht nur für Könige und den Adel
hergestellt,
sondern darüber hinaus für die Öffentlichkeit, um die
Lebensqualität zu erhöhen. Tapisserien findet man in den
ältesten Kulturen, bei uralten Stämmen wie im alten Peru,
und auch bei vielen anderen Indianerstämmen, beispielsweise den
Navarrhos. Ihre Herstellung war ein langwieriger Prozeß, der
Geschicklichkeit, Kunstfertigkeit und Geduld erforderte. Man verwendete
sie, um Wände und Fußböden zu bedecken und auszuschmücken
und sogar als Kleidung, was mit Stickerei jedoch nichts zu tun hatte.
Zu den frühesten und schönsten Tapisserien gehören
jene der Kopten in Ägypten aus dem 5. und 6. Jahrhundert. Sie
benutzten eine sehr einfache Vorrichtung, nämlich einen Rahmen
mit einer Rolle an beiden Seiten: das war der ganze Webstuhl. Später,
im Mittelalter, als die Herstellung von Tapisserien zu einer wichtigen
und verbreiteten Form der Manufaktur wurde, wurden neue Techniken
entwickelt, um die Illusion von Licht und Schatten in der Tapisserie
zu erreichen. In der Renaissance konnten die Weber durch die Vermischung
der Farben jeden Pinselstrich in der Tapisserie wiedergeben. Die Farbe
war schon immer ein zentrales Element der Tapisserie-Herstellung,
und der Färbermeister mußte sehr geschickt ans Werk gehen.
Vor der chemischen Färbemittelherstellung machte man Farben aus
Insekten, Pflanzen, Blumen, Muscheln, Zwiebelhäuten, Zitronenschalen
und Safran.
Bei der Tapisserie wird meistens Wolle verwendet, aber man findet
auch oft andere Fasern wie Baumwolle, Seide und Leinen. Die Peruaner
webten mit feinen Lamahaaren und den seidenen Haaren der Vicuñas,
während die Kopten Leinen und die Chinesen Seide verwendeten.
Die Sujets und Motive der Tapisserie der verschiedenen Jahrhunderte
entstammen religiösen Gemälden, Sagen, Mythen und Symbolen.
Die Kunst der Tapisserieweberei wurde in allen Jahrhunderten praktiziert,
auch im zwanzigsten. In den 30er Jahren bemühte sich Marie Cuttoli
(sie arbeitete oft mit dem Atelier Pinton zusammen) tatkräftig
um die Wiederbelebung dieser Kunst, indem sie die führenden Künstler
jener Zeit ermunterte, Werke eigens für die Tapisserie zu schaffen.
Zu diesen Künstlern gehörten Picasso, Braque, Derain, Rouault,
Miró, Dufy, Le Corbusier und andere. Die Tapisserie-Herstellung
hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
eine neue Belebung durch neue Techniken erfahren. Zu den führenden
Persönlichkeiten auf diesem Gebiet gehört die Meisterweberin
Yvette
Cauquil-Prince, die für die herausragenden Künstler dieses
Jahrhunderts aufregende Tapisserien geschaffen hat, darunter für
Picasso, Léger, Chagall, Braque, Kandinsky, Klee, Ernst, Calder
und Matta, um nur einige zu nennen. Wir sind stolz darauf, eine Auswahl
dieser bedeutendsten Kunstwerke der Tapisserien des 20. Jahrhunderts
zum ersten Mal in Österreich zu präsentieren.
die Ausstellung wurde unterstützt von:
Hilton Vienna
Austrian Airlines
Yumyum communications Vienna
|