Niki de Saint Phalle bei einer Schießaktion, Szenenfoto aus dem Film „Daddy“, 1972
© 2004 VBK Wien, 2004
Die Schenkung Niki de Saint Phalle, Sprengel Musem Hannover


Saint-Sébastian or Portrait of My Lover, 1961
© 2004 VBK Wien, 2004
Die Schenkung Niki de Saint Phalle, Sprengel Musem Hannover


Niki de Saint Phalle:
Nana Power, 1970
© VBK Wien, 2004
Die Schenkung Niki de Saint Phalle, Sprengel Musem Hannover

Vermittlungsprogramm zur Ausstellung:
Niki de Saint Phalle - Die Geburt der Nanas

KUNSTHAUSWIEN, 19.5. – 26.9.2004

Nikis bunte Frauen

für 6 - 10 jährige SchülerInnen
Niki de Saint Phalle, Schöpferin farbenfroher, sinnlicher und phantasievoller Skulpturen, ist eine der bekanntesten Künstlerinnen unserer Zeit. Sie war Klosterschülerin, Ehefrau, Fotomodell, Mutter, dann
" neue Realistin", Produzentin sogenannter Schießbilder und Nanas. Aber was sind Nanas? Es sind buntbemalte, fröhliche, oft tänzelnde Frauenkörper, die sie aus Maschendraht, Gips und Polyester gestaltet hat. Nanas sind positive Bilder der Weiblichkeit - entstanden unter dem Einfluss der Schwangerschaft ihrer Freundin Clarice Rivers. Nana, in französischer Umgangssprache bis dato ein leicht anzügliches Wort für freches Mädchen, Göre oder Mieze, ist seitdem auch untrennbar verbunden mit Niki de Saint Phalles Werk. Die erste Ausstellung der Skulpturen, Nana Power, 1965, erregte großes Aufsehen.
Gemeinsam wollen wir die bunte und poppige Welt der Niki de Saint Phalle mit Nanas, Collagen, Assemblagen und Schießbildern entdecken. Im Atelier fertigen wir im Anschluss eigene Nanas aus Knetmasse, deren Bemalung zuhause oder in der Schule erfolgen kann.

Scherbenbilder - Autoportraits: Bruchstücke des Alltäglichen

für 10 - 14 jährige SchülerInnen
Niki de Saint Phalles Frühwerk in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre wird von einer großen Experimentierfreudigkeit der Künstlerin mit unterschiedlichen und vor allem alltäglichen Materialien geprägt. Hier zeigt sich bereits eine Parallele zu der Künstlergruppe der „Neuen Realisten“ um Daniel Spoerri und Jean Tinguely, Nikis Partner im Leben und in der Kunst, der sich die Künstlerin 1961 selbst anschließen wird. Die Assemblagen Niki de Saint Phalles setzen sich aus „objets trouvés“, vorgefundenen Gegenständen, wie etwa Scherben, Nägeln oder Wollfäden zusammen, die zu diesem frühen Zeitpunkt immer der Gegenständlichkeit und Narrativität verhaftet bleiben. Zu diesen Arbeiten, in denen sich bereits Nikis Hang zur Buntfarbigkeit ankündigt, zählt auch das Werk „Portrait einer Frau“, in dem sich die Künstlerin selbst darstellt.
Ausgehend von dieser Arbeit wollen wir mit den SchülerInnen in ähnlicher Technik mit Materialien wie Bruchstücken von Fliesen, Steinen, Wolle,... Selbstporträts gestalten. Es geht dabei vor allem darum, aufzuzeigen wie bei Niki de Saint Phalle das Alltägliche Einzug in ihre künstlerische Arbeit hält, eine Tatsache die für die Kunst der 60er Jahre von essentieller Bedeutung ist.

Das schießende Fotomodell - Frauen an die Macht!

für SchülerInnen der Oberstufe
Die Anfänge von Niki de Saint Phalle als Künstlerin fielen in eine Zeit, in der Frauen in der Kunstwelt lediglich in der Rolle der Muse oder des Modells akzeptiert wurden, der kreative Schaffensprozess blieb "noch" den Männern vorbehalten. Das sollte sich im Laufe der 60er durch Künstlerinnenpersönlichkeiten wie Niki de Saint Phalle in Frankreich, Judy Chicago in den USA oder Valie Export in Österreich ändern. Ihnen gemeinsam ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Position der Frau sowohl in der Kunst als auch in der Gesellschaft. Mit ungewöhnlichen Methoden und auch auf neue Medien wie Film oder Fotografie zurückgreifend untersuchen sie unterschiedlichste Rollenzuschreibungen, wie die der Mutter, Hausfrau oder Geliebten und zeigen geschlechtlich bestimmte Machtverhältnisse in der Gesellschaft auf. Im Ausstellungsrundgang und mit Hilfe eines Fragebogens soll gemeinsam erarbeitet werden, was das spezifisch Weibliche in den Arbeiten Niki de Saint Phalles ausmachen könnte. Spiegelt nicht allein schon ihre Themenwahl ein Interesse an bedeutenden und starken Frauenfiguren der Geschichte, wie etwa die der Jeanne d´Arc, und sind ihre Schießbilder, von denen eines der ersten nicht zufällig den Titel
" Heiliger Sebastian oder Portrait meines Liebhabers" trägt, nicht auch als Angriff auf die patriarchale Gesellschafts- und Beziehungsstruktur gemeint? Welche Vorstellung von Weiblichkeit vermitteln uns schließlich Nikis dralle und bunte Nanas?

 

Preis für Animationsführung: 1 1/2 Stunden € 52,- (incl. Gestaltungs- oder Diskussionsteil), zuzügl. Eintritt
Preis für Führung ohne Animationsprogramm: 1 Stunde € 32,-, zuzügl. Eintritt
Eintrittspreis: € 3,- für SchülerInnen im Klassenverband, unter 10 Jahren Eintritt frei
Reservierungen: bei Katharina Böhm, Tel.: 01 712 04 95 12