|

FRANCIS BACON Self Portrait, 1982
© "VBK Wien, 1999"
Courtesy
Marlborough. International Fine Art.
|
|
School of London
12. Mai - 29. August 1999, täglich 10 - 19 Uhr |
| Die Bezeichnung
School of London - 1976 vom aus Amerika stammenden
Maler Ronald B. Kitaj geprägt, um auf die außerordentliche Vielfalt
und Vitalität hinzuweisen, die er in der zeitgenössischen Kunst
Englands vorgefunden hatte - gilt im wesentlichen einer Gruppe
von Künstlern, die in den 50er Jahren in der britischen Hauptstadt
lebten und sich trotz des Aufkommens und der späteren Dominanz
der abstrakten Kunst der Erneuerung der figurativen Malerei
verschrieben hatten. Im wesentlichen soll diese Sammelbezeichnung
auf die Tatsache hinweisen, daß London seit dem Krieg eine Vielfalt
an überaus schöpferischen Künstlern hervorgebracht hat. Obwohl,
wie die Ecole de Paris, die Bezeichnung School of London
ein dehnbarer Begriff bleibt, bildet eine durchaus profilierte
Gruppe figurativer Maler ihren Kern, die sich von den späten
50er Jahren an durch gemeinsame Bewunderung und Ambitionen verbunden
fühlten - zu jener Zeit also, als die Abstraktion zur dominanten
Mode wurde: Sie verfolgten untereinander aufmerksam ihre jeweiligen
Arbeiten und stellten in derselben Galerie im West End aus.
Wenn die School of London überhaupt eine führende
Persönlichkeit gehabt hat, so müßte man Francis Bacon nennen,
der für alle diese Künstler eine Art Vorbild des Schöpferischen
und Unabhängigen darstellte, nicht zuletzt für seinen engen
Freund, den meisterhaften Maler des menschlichen Fleisches,
Lucian Freud. Leon Kossoff und Frank Auerbach studierten zusammen
und waren beide vom Expressionismus tief beeinflußt, während
ihr Freund Michael Andrews eine intensiv- persönliche Sicht
entwickelt hat, in der die Wirklichkeit durch hintergründige
Verzerrungen erst einprägsam wird. Durch sein Engagement für
das Figurative und seinen Einsatz für die Anerkennung der Gruppe
als solche galt Kitaj automatisch als Mitglied der School
of London, zu der auch der in Paris lebende Bildhauer
Raymond Mason gehört, der die übrigen Künstler kennenlernte
und mit ihnen ausstellte, bevor er London verließ. Die Arbeit
dieser Künstler hat auf eine ganze jüngere Generation von Malern
in London eingewirkt. Sie werden in dieser Ausstellung durch
Paula Rego, Bill Jacklin, Celia Paul, Tony Bevan und Stephen
Conroy vertreten, die zwar durchaus eigene Bilderwelten erschaffen
haben, aber alle durch den leidenschaftlichen Glauben an die
menschliche Gestalt als Kernpunkt ihrer Kunst beseelt sind.
Der erste Teil der Ausstellung präsentiert den nach gängiger
Meinung harten Kern der School of London: Francis
Bacon, Leon Kossoff, Michael Andrews, Frank Auerbach,
Ronald B. Kitaj. Hinzu kommt Raymond Mason, der aus England
stammende, in Paris lebende Bildhauer, der seine frühen Arbeiten
in den 50er Jahren in London ausgestellt hat. Die Arbeiten von
Lucian Freud, die im Rahmen dieser Ausstellung jüngst in Paris
und Santiago de Compostela gezeigt wurden, können in Wien nicht
präsentiert werden, weil Mr. Freud es nicht gestattet, daß seine
Werke in Österreich ausgestellt werden. Der zweite Teil der
Ausstellung, der durch Jill Lloyd betreut wird, eröffnet die
Diskussion durch die Einführung einer jüngeren Generation figurativer
Maler: Paula Rego, Bill Jacklin, Stephen Conroy, Celia Paul
und Tony Bevan. Während ihrer ganzen Laufbahn waren sie sich
über die Verdienste der Maler der School of London
im Klaren - durch einen harten Kampf in einer durch die Abstraktion
beherrschten Zeit - und sie teilen mit ihnen ein Engagement
für die menschliche Gestalt als den natürlichen Mittelpunkt
ihrer Kunst. Darüber hinaus legen sie vor allem eine Vielfalt
der Temperamente und Mittel, Phantasie und Technik an den Tag.
Sie legen auch dafür beredtes Zeugnis ab, daß die figurative
Kunst in England heute weiterhin schöpferisch und vital ist.
Betreut wird die Ausstellung von Michael Peppiatt, einem bekannten
Kenner der modernen britischen Kunst, und Jill Lloyd, die eigene
Forschungen über die zweite Generation der britischen figurativen
Maler beigesteuert hat. Sie wird durch einen reichlich illustrierten
Katalog in Deutsch und Englisch begleitet, mit Essays der Kuratoren
sowie Interviews mit den Künstlern und ausgewählten Texten der
Künstler zu ihrem Werk. Es wird die erste definitive Publikation
zu diesem Thema in deutscher Sprache sein und, zusammen mit
der Ausstellung, einen wesentlichen Beitrag zur Kenntnis und
zum Verständnis der zeitgenössischen britischen Kunst in Europa
darstellen. |
DIE AUSSTELLUNG WURDE UNTERSTÜTZT VON
DER STANDARD, AUSTRIAN AIRLINES, ANA GRAND HOTEL WIEN UND YUMYUM COMMUNICATIONS. |
|